06 Apr 2016
Frantisek Jiranek: Concerto A-Dur

Kaum jemand erinnert sich an diesen Komponisten, selbst die belesensten Musiker und Wissenschaftler haben ihn viele Jahre übersehen. Dabei sind seine musikalischen Werke Kleinode, wie man sie nur noch selten finden kann. Geprägt sind sie vom Stil Antonio Vivaldis, bei dem er wahrscheinlich studierte, als er sich 1724 bis 1726 in Venedig aufhielt. Doch immer bewahrt sich Jiranek eine ganz eigene Tonsprache, die seine Musik ungeheuer farbig und faszinierend strahlen lässt.

Vielleicht ist sein Konzert zum ersten Mal im Schloss Pförten in der Niederlausitz zu hören gewesen. Heinrich von Brühl, sächsischer Premierminister in Dresden und Jiraneks Arbeitgeber, hielt sich hier sehr gerne auf und veranstaltete rauschende Feste mit Kurfürsten und anderen Gästen. Nicht umsonst war Brühl für seine Verschwendungssucht bekannt.

Dies ist alles, was von dem einst so schmucken Schloss noch übrig ist.

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Palace Brody (powiat zarski)

Meine Geschichte zu Jiraneks Violinkonzert beginnt auf einem dieser Feste in Schloss Pförten. Vielleicht kann man noch ein wenig den Glanz des Schlosses in seinen Ruinen erahnen, die Wasserspiele im Garten und die vielen, vielen Gäste in ihren prächtigen Garderoben?

„Ein neuer Gast kommt gerade die Treppe herunter, ein junger Mann, ganz wunderbar gekleidet. Auf jedem Fest dieses Jahres ist er der Star des Abends und der Albtraum jeder Mutter. Er ist ein Habenichts, ein Tunichtgut, doch die jungen Mädchen liegen ihm zu Füßen. Flatterhaft flirtet er mal mit der einen, lobt die Schönheit der anderen in den höchsten Tönen und bricht ganz nebenbei ein Herz nach dem anderen. Er ist ein richtiger Casanova.
Und doch, an diesem Abend ist etwas anders, in einer Ecke sitzt ein junges Mädchen. Er hat sie noch nie gesehen, dennoch verzaubert sie ihn auf ungeahnte Weise. Alles andere wird unwichtig, er sieht nur noch sie. Er fragt sich, ist sie die eine, für die er sein Leben ändern würde, die eine, auf die er immer gewartet hat, ohne es je zu wissen?
Ach egal, heute wird er dies nicht mehr erfahren. Darauf ein Gläschen Wein, Prost! Dem Alkohol spricht er nun munter zu und wird schnell etwas angeheitert, was seinem Charme keinen Abbruch tut. So flirtet und tanzt er durch den Abend.“

von Elke Fabri

Konzerttermin ->

04 Apr 2016

Liebe Besucher, liebe Freunde der musikalischen Schar,

an dieser Stelle werde ich ab heute kurze Geschichten erzählen, die mir zu den Stücken der nächsten Projekte unserer „musikalischen Schar“ einfallen. Sie sollen einen kleinen Einblick geben, was ich beim Musizieren empfinde und welche phantastischen Bilder und Filme das Hören dieser Musik bei mir auslöst. Vielleicht kann der eine oder andere von Ihnen nach dem Konzert diese bestätigen oder vielleicht weiter ausführen. Schreibt mir gerne eine Mail unter Kontakt. Ich freue mich sehr über eure Nachrichten.

Herzliche Grüße
Elke Fabri

04 Apr 2016
Johann Friedrich Fasch. Ouverture in G major

Wenige Jahre, nachdem Fasch Hofkapellmeister in Zerbst wurde, kam dort eine kleine Prinzessin zur Welt, Prinzessin Sophie Auguste Friederike von Anhalt-Zerbst. Noch viel wird die Welt von ihr hören, später besser bekannt als Katharina die Grosse.


Meine Geschichte beginnt am späten Nachmittag irgendwann im 18. Jahrhundert in Zerbst.

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„Heute abend soll ein großer Ball stattfinden, die adligen Hausherren sind, genauso wie wir, ihre Dienerschaft, schon sehr gespannt: Die Perücken sind gepudert, extra eine neue Garderobe angeschafft, alles ist geplant bis ins letzte Detail. Ob die Prinzessin wohl auch kommen wird?

Da, der Zeremonienmeister kündigt mit lauter Stimme die ersten Gäste an. Gemessenen Schrittes flanieren sie zu den Gastgebern. Wer sie wohl sein mögen? Leider habe ich ihre Namen nicht hören können, aber sie sehen sehr vornehm aus.
Währenddessen schleiche ich mich leise hinaus. Zusammen mit den anderen Gärtnern bin ich für den Garten verantwortlich. Schnell möchte ich schauen, ob ich nichts vergessen habe. Nein, alles ist wunderschön, die herrlichen Lampen, die neueste Mode aus Frankreich, hängen an den richtigen Stellen. Ihr Licht taucht den Garten in die verschiedensten Farben. Die Wasserfontänen schaffen eine zauberhafte Kulisse, auch die Hecken sind vortrefflich gestutzt… Doch halt, hier steht noch eine kleine Ecke hervor, schnell die Schere hervor, bevor es jemand sieht. So jetzt ist alles gut.
Und da höre ich schon den ersten Tanz, ein Menuett. Leise schleiche ich mich zum Fenster, vielleicht kann ich einen Blick erhaschen. Ob die Prinzessin wohl schon da ist?“…

Dies ist alles, was von dem wunderschönen Schloss von Anhalt-Zerbst noch übrig geblieben ist.

Zerbst Schlossruine
Wie wohl der Garten ausgesehen haben mag? Sicher wunderschön, denn sonst hätte Johann Friedrich Fasch wohl kaum in dem Satz „Jardiniers“ der Ouverture in G-Dur ein Loblied auf die Gärtner gesungen.

Einen kleinen Höreindruck vermittelt Ihnen, lieber Besucher, die Aufnahme unserer geschätzten Kollegen Il Fondamento unter der Leitung von Paul Dombrecht: zum Youtube-Beitrag

Konzerttermin ->

Elke Fabri