05 Nov 2016

Kritik zum Konzert am 30.10.2016

Musikalische Zeitreise zurück ins Barock

Von Eva Arndt

Zum 1. Horster Schlosskonzert der Saison 16/17 kamen 80 Musikliebhaber. Quartett unterhielt die Zuhörer mit wunderschönen und spannenden Stücken.

Musikalische Zeitreise zurück ins Barock | WAZ.de – Original lesen unter:
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Mucksmäuschen still sitz die vierjährige Alena in der Glashalle von Schloss Horst und malt. Keinen Pieps gibt sie von sich und lauscht der Musik – über eine Stunde lang. Absolut außergewöhnlich für eine so junge Besucherin, denn die Klänge kommen vom Orchester Caterva Musica, dem bekannten Ensemble für Alte Musik.

Zum 1. Horster Schlosskonzert der Saison 2016/2017 war die Kleine mit Papa Joachim Maaß (Sänger am Musiktheater im Revier) gekommen, so wie circa 80 andere Musikliebhaber auch.

Hochgenuss in der Glashalle von Schloss Horst am Sonntagnachmittag. Und das gleich mehrfach. Bei Käsekuchen und Kaffee saßen die Besucher dieser Veranstaltung zum ersten Mal in der historischen Stätte und genossen das Caféhaus-Ambiente in historischer Kulisse. Die Sonne gab alles und verwöhnte durch die großen Glasflächen die gut gelaunten Besucher. Und dann: Das eingespielte Ensemble, das Musik von Carl Philipp Emanuel Bach – Vater, Sohn und Pate – präsentierte. Alles zusammen, ein Hochgenuss.
Gäste sind begeistert von Schlossambiente und Veranstaltungsbeginn

Christel Schürzeberg war mit Ehemann Dieter gekommen, um den Sonntagnachmittag einmal anders zu verbringen. „Sonst ist es ja schon mal langweilig an Sonntagen, aber das hier macht Spaß“, sagt der Musikliebhaber. Sabine van den Bosch kennt das Ensemble schon lange und ist begeistert von der Atmosphäre jetzt im Schloss Horst. „Sonst finden die Veranstaltungen im Hans-Sachs-Haus statt, aber das hier ist wirklich mal etwas anderes. Und die Zeit 15.30 Uhr finde ich attraktiv.“

Auch Horst Walter Fillier, der sich vor Beginn der Veranstaltung ein Stück Kuchen gönnt, ist von der Idee der Präsentation in neuem Ambiente begeistert. Butterstreusel, Schoko- und Käsekuchen gab es an der Theke. Falsch die Befürchtungen, dass das Publikum das Orchester mit Geschirr- und Besteckgeklapper „unterstützt“.
Mitwippen im Rhthmus der Musik

Absolut respektvoll und in bestem Sinne diszipliniert verhielten sich die Gäste und genossen die Stunden. So mancher, der die Stücke kannte, konnte die Finger nicht still halten und wippte im Rhythmus leise mit. Hans-Heinrich Kriegel (Oboe), Elke Fabri (Violine), Wolfgang Fabri (Viola) und Sigrun Stephan (Cembalo) unterhielten die Musikfreunde mit wunderschönen und spannenden Stücken.
Joachim Gresch als Moderator

Und dann: der begeisternde Joachim Gresch. Perfekt im Stil des ausgehenden Barocks gekleidet, leitete er durch den Abend mit lockeren, aber für die damalige Zeit ehrerbietigen Anmerkungen über die Stücke als Johann Adolf Scheibe, damaliger Musikkritiker Mitte des 17. Jahrhunderts.

„Er hat das Werk ‘Der kritische Musikus’ geschrieben und fand Johann Sebastian Bach absolut altbacken“, sagt Gresch beispielsweise. Bachs Sohn Carl Philipp Emanuel, dagegen, war ein Star.“ Das, was dem Publikum geboten wurde, ruft schon sehr nach einer Wiederholung.
Zahlreiche Briefe belegen das gute Verhältnis der beiden Musiker

Caterva Musica stellte ein Konzertprogramm vor, das die Kompositionen Carl Philipp Emanuel Bachs (8. März 1714 in Weimar; † 14. Dezember 1788 in Hamburg) in den Mittelpunkt stellte und diese mit Werken seiner wichtigsten Vorbilder vergleicht – der Musik seines Vaters Johann Sebastian Bach und seines Patenonkels Georg Philipp Telemann.

Zahlreiche Briefe zwischen Telemann und Carl Philipp Emanuel Bach belegen das gute Verhältnis der beiden Musiker. Am 2. April 1768 trat Carl Philipp in seine Fußstapfen und übernahm nach dessen Tod das Amt als städtischer Musikdirektor und Kantor am Johanneum in Hamburg, das er bis zu seinem eigenen Tod 1788 ausübte.